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Auswirkungen des Baubooms

Wer durch deutsche Großstädte wie Hamburg oder Berlin fährt, kann es sehen: An jeder Ecke wird gebaut. Es entstehen Bürogebäude, Hotels, Wohnhäuser und Logistikflächen.

Die Baubranche ist in den letzten Jahren stark gewachsen, Umsatz- und Beschäftigungszahlen sind gestiegen. Was für die Handwerksbetriebe positiv ist, stellt die Bauherren vor Herausforderungen. Ulf Borwieck, Bereichsleiter Bau bei EUROPA-CENTER, sagt: „Die Nachfrage nach Handwerkern ist aktuell immens hoch. Das hat zur Folge, dass man für Bauvorhaben weniger Angebote von Handwerksbetrieben erhält und die Preise steigen. Insbesondere in den boomenden Städten ist es sehr schwer, Handwerker zu engagieren. Und die sind dann im Schnitt ca. 12 bis 15 Prozent teurer als bis vor Kurzem üblich.“ Das bestätigt auch Ute Kretschmann, Pressesprecherin der Handwerkskammer Hamburg: „Die Handwerkskonjunktur läuft weiterhin hochtourig, die Auftragsbücher sind voll. Und das betrifft wirklich die allermeisten Gewerke.“

Die Unternehmen aus dem Handwerk zeigen sich selbstredend hochzufrieden mit der aktuellen Marktsituation. So beschreibt Rüdiger Harjes, Geschäftsführer der Fensterbaufirma Harjes, die Situation für sein Unternehmen als überaus positiv, was aber auch zu langen Wartezeiten für seine Kunden führt: „Wir sind für die kommenden neun Monate ausgelastet. In der gegenwärtigen Situation bedauern wir es, etliche Anfragen von potenziellen neuen Kunden nicht annehmen zu können. Wir arbeiten fast nur noch für unsere Bestandskunden, mit denen wir seit Jahren vertrauensvoll und partnerschaftlich verbunden sind. Dazu gehört auch EUROPA-CENTER.“ Er ergänzt, dass man bei Neukundenanfragen sehr selektiv vorgehe und nur wirtschaftlich lohnende Aufträge angenommen werden.

EUROPA-CENTER begegnet dem Handwerkermangel mit langfristiger Planung und Verlässlichkeit. Ulf Borwieck: „Für unsere Bauvorhaben fragen wir die Firmen möglichst frühzeitig an, damit sie entsprechende Kapazitäten einplanen. Viele Betriebe arbeiten gern mit uns zusammen, da wir über Jahre ein vertrauensvolles Verhältnis gepflegt haben, das von gegenseitiger Fairness geprägt ist. Es kommt sogar vor, dass Unternehmen sich Kapazitäten im Vorwege frei halten, weil sie wissen, dass noch ein größerer Auftrag von EUROPA-CENTER ansteht. Das bedeutet nicht, dass nur angestammte Firmen Aufträge bekommen, denn wir achten durchaus auf akzeptable Marktpreise. Aber sie haben durch das langjährige Vertrauensverhältnis selbstverständlich einen Vorteil.“

Bei knappem Angebot und verstärkter Nachfrage steigen die Preise – das ist ein Grundgesetz der freien Marktwirtschaft. Aber Rüdiger Harjes sieht den Grund für die steigenden Preise beim HHandwerk vor allem in den höheren Rohstoffpreisen für Baumaterialien. Ulf Borwieck bestätigt: „Die Firmen gehen damit offensiv um. Sie kündigen schon im Vorfeld spürbare Preiserhöhungen an. Das liegt sicherlich auch daran, dass einige Gewerke inzwischen Mühe haben, an Baumaterialien zu kommen, die sich aufgrund der Verknappung ebenfalls verteuern. Diese Preissteigerungen werden an die Auftraggeber weitergegeben.“

Problematisch ist für die Handwerksbetriebe auch die Situation am Arbeitsmarkt.  „Wir beobachten im Bauhauptgewerbe seit 2016 einen immer stärkeren Arbeitskräftemangel. Bei unseren monatlichen Konjunkturumfragen berichten inzwischen doppelt so viele Baufirmen über diese Schwierigkeit wie Anfang der 90er-Jahre“, sagt Ludwig Dorffmeister vom ifo Institut in München. Ähnlich äußert sich auch Ute Kretschmann von der Handwerkskammer Hamburg: „Das Handwerk würde gern weitere Fachkräfte einstellen, wenn es sie auf dem Arbeitsmarkt denn noch gäbe.“ Da aber schlicht zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind, können auch nicht mehr Aufträge angenommen werden. Rüdiger Harjes schildert die Situation aus Sicht einer betroffenen Firma: „Wie das Handwerk insgesamt haben auch wir mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Wir sind verstärkt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Generell wollen wir neue Aufträge nur dann annehmen, wenn wir diese mit unseren Kapazitäten auch sicher abdecken können.“ Die Gefahr der Überauslastung besteht durchaus. Borwieck sagt: „Das gibt es leider auch, dass Firmen mehr Aufträge annehmen, als sie mit ihren Kapazitäten bewältigen können. Vernünftige Firmen tun das nicht. Wir versuchen, mit den vernünftigen zusammenzuarbeiten.“

Eine Veränderung der gegenwärtigen Situation ist nicht zu erwarten, sagt ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister: „In Anbetracht des weiterhin hohen Investitionsbedarfs in den Bereichen Wohnen, kommunaler Gebäudebestand und Verkehrsinfrastruktur dürften sich die Kapazitätsengpässe auf absehbare Zeit nicht wesentlich verringern.“

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